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Nach Einschätzung der FAO wissen viele Bauern nicht, wie Pestizide gezielt und umweltverträglicher eingesetzt werden. In Beratungsdiensten gebe es kaum Techniker, die auf die Pestizid-Anwendung spezialisiert seien. "In vielen Ländern sind es nur die Vetreter von Chemieunternehmen, die über den Einsatz von Spritztechnik und die korrekte Geräteeinstellung beraten", sagte FAO-Mitarbeiter Theodor Friedrich. "Viele Bauern glauben immer noch, dass Pflanzenschutzmittel in großen Mengen und mit hohem Druck gesprüht werden müssen, um eine sichere Schädlingsbekämpfung zu gewährleisten".
In vielen Ländern seien Spritzgeräte wie Rückenspritzen in sehr schlechtem Zustand, sagte Friedrich. Die Spritzdüsen werden in vielen Fällen nicht erneuert und sogar vergrössert, um einen höheren Durchfluss zu erzielen.
In Pakistan werden nach FAO-Angaben aufgrund unzureichender Geräte 50 Prozent der Pestizide verschwendet, was zur Verschmutzung des Grund-wassers führt. Viele Bauern wissen nichts über Sicherheitsbestimmungen und einen sparsamen Pestizid-Einsatz.
In Indien gibt es hohe Pestizidrückstände in Nahrungsmitteln. Dies sei ein Zeichen dafür, dass Pestizide falsch genutzt werden, so die FAO. Zwar gebe es nationale Richtlinien für Spritzgeräte, die von größeren Geräteherstellern beachtet würden. Für viele kleine Geräteproduzenten spielten diese Standards aber bislang keine Rolle.
Auch in Thailand werden die Bauern nicht ausgebildet, sie beachten die Sicherheitsaspekte deshalb kaum. In Indonesien, das ergab eine Untersuchung, sind über 50 Prozent der Spritzgerät undicht; ähnliches gilt für die Philippinen.
In Malaysia kommt es zu Vergiftungen bei Bauern, da es an Ausbildung, sicheren Geräten und Schutzkleidung fehlt. Da übermässig Pestizide versprüht werden, sind die Chemierückstände im Wasser hoch. Auch in Vietnam fehlen rechtsverbindliche nationale Vorschriften und Standards für Spritzgeräte.
In Kolumbien werden Blumen pro Woche mit rund 6.000 Litern Schädlingsbekämpfungsmitteln je Hektar besprüht. Im Obstanbau Brasiliens sind es teilweise rund 10.000 Liter pro Hektar wöchentlich, was zur Verseuchung von Boden und Grundwasser führt. Mit effizienten und sparsamen Geräten wären nicht einmal zehn Prozent dieser Mengen nötig.
"Die Technolgie für sparsame Spritzgeräte gibt es bereits, die Anwendung hängt allerdings von den technischen, wirtschaftlichen und kulturellen Bedingungen in den Ländern ab", betonte Friedrich. "Um die Pestizidnutzung zu verringern, müssen als Teil der Integrierten Schädlingsbekämpfung qualitativ gute, den Standards entsprechende Geräte eingesetzt werden; ausserdem müssen die Bauern entsprechend ausgebildet werden". Die Bauern könnten Pestizide und somit Geld sparen. Der Vorteil für den kommerziellen Sektor liege darin, Geräte, Dienstleistungen und Ersatzteile anbieten zu können.
Die FAO hat für Entwicklungsländer Richtlinien und Standards für den Einsatz von sparsamen Spritzgeräten sowie entsprechende Testverfahren entwickelt. Die FAO empfiehlt, Anreize für eine bessere Qualität der Geräte zu schaffen. Den Herstellern könnten auf freiwilliger Basis Qualitätszertifikate verliehen werden, um den Absatz effizienter Geräte zu fördern. In Kleingruppen sollten Bauern geschult werden, Schädlinge umweltverträglicher zu bekämpfen. Die FAO organisiert inzwischen regional Kurse für Regierungen, Bauern und den Privatsektor, um auf das Problem aufmerksam zu machen und Lösungen anzubieten.